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SPD-Geburtstagsfeier
65 Jahre in Overath
von Dieter Matthias
Am Sonntag, dem 2. Mai, fand im Kulturbahnhof eine Geburtstagsfeier
besonderer Art statt. Vor genau 65 Jahren wurde in Overath die SPD gegründet
und ca. 100 Mitglieder und Gäste versammelten sich zu einer lockeren Feier
mit politischen Grußworten, fröhlichem Chorgesang, Umtrunk und Buffet.
Weil der Vorsitzende Jörg Weigt aus familiären Gründen verhindert war,
begrüßte sein Stellvertreter Andreas Koschmann die Anwesenden und richtete
Grüße von Hannelore Kraft aus. Als Vorsitzender des SPD-Unterbezirks Rhein-
Berg erinnerte Gerhard Zorn an die lange demokratische Tradition der SPD, die
sich 1933 mit ihrem Protest gegen das sog. „Ermächtigungsgesetz“ als einzige
Partei im damaligen Reichstag nicht dem Diktat der Nazis beugte und deren
Mitglieder für ihren Widerstand verfolgt wurden. Dieser demokratische Geist
bestimmte auch nach dem Krieg das Leben der Partei und die vielen
Neugründungen von Ortsvereinen wie in Overath.
„Wir schreiten Seit´ an Seit´“, erinnerte Zorn an das alte Solidaritätslied, „aber
wir brauchen immer auch neue Strophen, manchmal auch neue Texte für
bewährte Lieder!“ So war das Bekenntnis des Godesberger Programms zur
Marktwirtschaft notwendig, aber auch die kritische und gerade heute aktuelle
Einschränkung „wenn es sich denn um einen freien Markt handelt“. Dass der
nicht ohne Kontrollen funktioniert, zeigt die gegenwärtige Krise. Zu Overath
sagte Zorn: „Ich verstehe nicht, dass weder der Bürgermeister noch die
Mehrheit des Rates bereit oder in der Lage ist, mit den Bürgerinnen und Bürger
im Rücken und in Kenntnis der Finanzlage der Stadt einen falschen Plan
(Turnhalle Immekeppel) aufzugeben.“
Bürgermeister Heider gratulierte herzlich in seinem Grußwort und unterstrich
eindringlich die Notwendigkeit aller Parteien für das demokratische System,
den Wert der ehrenamtlichen politischen Arbeit, die es zu intensivieren und zu
fördern gilt, in einer Zeit, in der sich langfristiges Engagement nicht gerade
großer Beliebtheit erfreut.
Der SPD-Bundestagsabgeordnete Mützenich gratulierte für die Bundesebene
der Partei und verwies auf die Verpflichtung, die aus der sozialdemokratischen
Tradition und dem Vorbild großer Sozialdemokraten wie Brandt oder
Heinemann für die gegenwärtigen Akteure hervorgeht.
Nach jedem Grußwort lockerte der Chor „O-Ton Overath“ mit Spirituals und
frechfröhlichen Liedern die Atmosphäre auf und bekam reichlich Beifall.
Höhepunkt der Veranstaltung war ein Gesprächskreis, den Genosse und
Kabarettist Nikolaus Kleine moderierte. Das 92-jährige Gründungsmitglied Fritz
Krämer erzählte von den ersten Tagen des Ortsvereins, den vielen Kölner
Genossen, die hier Wurzeln schlugen und dem ersten SPD-Bürgermeister, der
noch von den Amerikanern nach dem Krieg in Overath eingesetzt wurde.
Damals war es nahezu Pflicht, sich politisch zu engagieren. Weitere
Gesprächsmitglieder wurden zu ihren Beziehungen zur Partei befragt, Simon
Rocholl als JUSO, Beyhan Kalter als Vorstandsmitglied mit
Migrationshintergrund, Jakob Ludwig und Manfred Meiger für die politische
Arbeit der SPD von den 80er Jahren bis heute. Sie vermittelten treffsicher die
unterschiedlichen Akzente ihres SPD Engagements. Es hat sich gelohnt, bei
dieser interessanten Geburtstagsfeier dabei zu sein.
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